Mittwoch, 23. November 2016

Hotelwäsche wird richtig nachhaltig

Nachhaltige Hotelwäsche für die Zukunft
Karsten Jeß, Hauptgeschäftsführer der Servitex GmbH.
Servitex ließ seine Wäschereien in den letzten Jahren im Bereich Umweltmanagement nach ISO 140001 zertifizieren. Neben dem Einsatz von ökologischen Reinigungssubstanzen gibt es auch Biobettwäsche.

Verantwortungsbewusstes Handeln in Bezug auf Nachhaltigkeit wird auch in der Hotellerie zu einem wichtigen Bestandteil der Unternehmensphilosophie. Doch die Zuliefererindustrie ist hier besonders gefragt: „Als Partner für die Hotels sind wir natürlich erst recht gefordert, zukunftsorientierter zu denken und vor allem entsprechende Lösungen anzubieten. Die Mitgliedsbetriebe von Servitex sind gut aufgestellt. Trotzdem überdenken wir unsere Dienstleistungen immer wieder neu und erweitern unser Angebot daher entsprechend. Dazu gehört sogar hochwertige Bio-Baumwollbettwäsche aus fairem Handel. Eine Alternative, die vor allem den heutigen Hotelgast vielerorts überzeugt. Wir arbeiten mit einem der weltweit führenden Produzenten zusammen“, so Karsten Jeß, Hauptgeschäftsführer der Servitex GmbH.

Als mittelständisches Unternehmen beliefern die Wäschereien des Textilverbundes in Deutschland derzeit rund 1.000 Hotels und beschäftigen rund 2.000 Mitarbeiter. Dabei wurde bereits vor vielen Jahren der Fokus auf einen konsequenten Umweltschutz unter Beachtung entsprechender Standards gelegt. Umweltgeprüfte Technik, energieminimierte Wasch- bzw. Pflegeverfahren und der Einsatz effizienter, umweltrelevanter, bzw. umweltschonender Wasch-, Reinigungs- und Hilfsmittel tragen vor allem zu einem niedrigen Ressourcenverbrauch bei.

Mit einer Wärmerückgewinnung im Produktionsprozess, dem Einsatz umweltgerechter Transportmittel, einer ökologisch orientierten Tourenplanung und einem Fahrtraining wird darüber hinaus eine spürbare Emissionsreduzierung erzielt.

Mit dem Einsatz wiederverwendbarer Verpackungsmaterialien und der Aufbereitung von Mehrwegtextilien trägt das Unternehmen außerdem zur Reduzierung und Verwertung von Abfällen bei.

Nachhaltigkeit bedeutet aber auch, eine gewisse soziale Verantwortung zu übernehmen: Die Mitarbeiter der Wäschereibetriebe werden neben flexiblen Arbeitszeitmodellen regelmäßig geschult. Das sorgt unter anderem auch für eine niedrige Personalfluktuation.

Im Großkundenbereich integriert Servitex ebenfalls sukzessive Kriterien der nachhaltigen Entwicklung in die Lieferantenpolitik. Dazu gehört beispielsweise die Senkung des Energieverbrauchs, die Förderung einer ausgewogenen Ernährung, die Schulung der Mitarbeiter zur Vorbeugung von Erkrankungen sowie die Verwendung von Produkten mit einem anerkannten Ökolabel.

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Käse 4.0: Wissenschaftler forschen für mehr Schnittkäse-Vielfalt

Nachhaltige Produktion und Abwechslung auf der Käseplatte verspricht ein neues Verfahren der Universität Hohenheim. / Ein Werkstattbericht

Käse mit Ananas- oder Feigen-Note: Ein neues Verfahren ermöglicht es Schnittkäse-Produzenten, ungewöhnliche Geschmacksrichtungen schnell und einfach auszuprobieren. Und dabei können sie auch noch, bei gleicher Qualität, schneller und nachhaltiger produzieren. Wissenschaftler der Universität Hohenheim erarbeiten gerade die Grundlagen für die Technologie, so dass Hersteller sie vielleicht in einigen Jahren in der Praxis einsetzen können. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie unterstützt das Projekt mit knapp 374.000 Euro und macht es zu einem Schwergewicht der Forschung an der Universität Hohenheim.

Europäer lieben Käse: Mehr als 500 Käsesorten stehen zur Auswahl. Neben den bekannten Sorten wie Gouda oder Emmentaler hat Schnittkäse einen Marktanteil von rund 30 Prozent. Und dieser Markt ist heiß umkämpft. Um im Wettbewerb zu bestehen, müssen sich Schnittkäsehersteller mit neuen Produkten oder geschmacklichen Varianten von der Konkurrenz abheben.

Beidem trägt ein Forschungsprojekt an der Universität Hohenheim Rechnung: „Wir haben für zwei Prozessschritte der traditionellen Käseproduktion einen völlig neuen Ansatz: Wir vereinfachen das langwierige Ausformen und Pressen der Käse und schaffen die Möglichkeit, neue aromagebende Mikroorganismen zu einem späteren Zeitpunkt zuzugeben“, erläutert der Milchwissenschaftler Prof. Dr. Jörg Hinrichs.

Extruder spart Zeit, Platz und Kosten
60 Prozent der Fläche in einer Käseproduktion, Reifungsräume nicht mitgerechnet, benötigt man zum Formen und Pressen der Käse: „Nach dem Abtrennen der Molke müssen die Bruchstücke bis zu mehrere Stunden in der Form gepresst werden und wieder zusammenwachsen. Diese Formen müssen zudem aufwändig gereinigt werden“, erklärt Prof. Dr. Hinrichs. „Es sind also zahlreiche Formen nötig, und das Formenmanagement verursacht hohe Kosten.“

Bei dem neuen Ansatz setzen die Forscher für diesen aufwändigen Vorgang einen sogenannten Extruder ein. In diesem wird der Käsebruch unter Druck und Temperatur zu einer homogenen Käsemasse fusioniert. „Wenn man diese nun kurz in eine vorgegebene Schablone presst, erhält man bereits den Rohkäse mit seiner endgültigen Form – rund, eckig, oval oder auch herzförmig. Das braucht weniger Zeit und Platz – und das ohne Qualitätsverlust“, betont Prof. Dr. Hinrichs.

Neue Käseprodukte durch individuelles Beimpfen
Für den guten Geschmack sorgen bei der Käseherstellung die Mikroorganismen, die üblicherweise am Anfang zugegeben und mit der Milch vermischt werden. Das wollen die Forscher ändern: „Wenn man die aromabildenden Mikroorganismen erst nach dem Ausformen injiziert, könnte man jeden Laib zu einem individuellen Aroma ausreifen lassen“, erläutert Prof. Dr. Hinrichs die Grundidee seiner neuen Plattform-Technologie.

Auf diese Weise könne man viele verschiedene Mikroorganismen testen und so schnell und einfach neue, individuelle Geschmacksrichtungen entwickeln. Das unterstützt die Entwicklung neuer Käseprodukte.

Simulation für optimale Injektion der Mikroorganismen
Damit jedoch nach sechs Wochen am Ende der Reifung die Aromastoffe gleichmäßig im Käse verteilt sind, müssen die Hersteller wissen, wo sie bei der Injektion der Starterkulturen in den Rohkäse einstechen sollen. Hier kommt Prof. Dr. Philipp Kügler ins Spiel.

Der Hohenheimer Mathematiker beschäftigt sich auch im Rahmen dieses Projekts mit sogenannten Differentialgleichungen. Mit deren Hilfe beschreibt Prof. Dr. Kügler, wie sich injizierte Mikroorganismen im Rohkäse vermehren, wie schnell sich die Inhaltsstoffe im Käse ausbreiten und wie sie am Ende der Reifezeit verteilt sind.

Daraus entsteht ein mathematisches Modell, mit dem er für eine vorgegebene Käseform und -größe den Reifungsprozess am Computer simulieren kann. „Unter Verwendung dieser rechnerbasierten Simulation können wir in einem zweiten Schritt dann jene Injektionsstellen berechnen, die zur gewünschten Verteilung der Aromastoffe am Ende der Reifung führen“, macht Prof. Dr. Kügler deutlich.

Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Hinrichs führt aktuell Experimente durch, um das Rechenmodell anhand der Labordaten zu trainieren. „Simulationsmethoden sind etwa in der Luftfahrtindustrie oder in der Herzforschung gang und gäbe“, verrät Prof. Dr. Kügler. „Wir hoffen, damit auch einen wesentlichen Beitrag im Bereich der Lebensmittelindustrie und zur technischen Umsetzung der Schnittkäse-Plattform leisten zu können.“

Hintergrund zum Projekt
Das Projekt „Technologie-Plattform mit Injektion von Starterkulturen zur Produktion von Schnittkäse“ startete am 31.7.2015. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) fördert es bis 31.12.2017 über die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen "Otto von Guericke" e.V. (AiF) und den Forschungskreis der Ernährungsindustrie e.V. (FEI) mit 373.930 Euro.

Die Koordinierung obliegt dem FEI. Industriepartner der Fachgebiete Milchwissenschaft und -technologie sowie Mathematik, insbesondere Modellierung komplexer biologischer Systeme an der Universität Hohenheim, ist der Milchindustrie-Verband e.V. (MIV).

Mehr Infos: www.fei-bonn.de/download/aif-18752-n.projekt

Hintergrund: Schwergewichte der Forschung

31,2 Millionen Euro an Drittmitteln akquirierten Wissenschaftler der Universität Hohenheim 2015 für Forschung und Lehre. In loser Folge präsentiert die Reihe „Schwergewichte der Forschung“ herausragende Forschungsprojekte mit einem finanziellen Volumen von mindestens 250.000 Euro bei den Experimental- bzw. 125.000 Euro bei den Sozial- und Gesellschaftswissenschaften.

Text: Elsner

Universität Hohenheim
Pressestelle

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Dienstag, 22. November 2016

Uni Hohenheim im Kernteam: EU startet 1.600-Mio-Innovations-Programm für Lebensmittel-Sektor

Verbundprojekt „EIT Food“ der EU soll Lebensmittel-Sektor kundenorientierter, ökologischer & wettbewerbsfähiger machen

Es ist ein gewaltiges Wissenschafts- und Konjunkturprogramm für den Lebensmittel-Sektor. Die Ziele: Bildung, Forschung und 350 Startups für neue Technologien, gesunde Ernährung, weniger Lebensmittelabfälle und weniger Treibhausgas-Emissionen bei der Produktion. Dazu haben sich europaweit 50 Universitäten, Unternehmen und Forschungseinrichtungen zu einer sogenannten „Knowledge and Innovation Community“ (KIC) zusammengeschlossen. Das Europäische Institut für Technologie und Innovation (EIT) der EU finanziert die Innovationsgemeinschaft unter dem Namen „EIT Food“ 10 Jahre lang mit 400 Mio. Euro. Hinzu kommen weitere 1.200 Mio. Euro aus privaten Mitteln. Das Land Baden-Württemberg ist mit 4 von 9 deutschen KIC-Mitgliedern besonders stark vertreten. Prorektor Prof. Dr. Jochen Weiss von der Universität Hohenheim übernimmt die Position des Interim Directors of Education.

„Als Deutschlands Nr. 1 in Agrarforschung und Food Science will sich die Universität künftig auch stärker im Bereich Innovation und Wissenstransfer engagieren“, begründet der Rektor der Universität Hohenheim, Prof. Dr. Stephan Dabbert die Teilnahme an der neuen EIT Food. Die Universität Hohenheim freue sich auf 10 Jahre intensive Entwicklung zusammen mit führenden Forschungseinrichtungen wie der University of Cambridge oder der ETH Zürich.

Ebenfalls an Bord seien Weltunternehmen wie Robert Bosch, PepsiCo, Siemens, und Nestlé. Ihr Ziel: Forschungsergebnisse schneller in marktfähige Technologien, Produkte und Dienstleistungen umzusetzen. Diese sollen sich insbesondere an den Bedürfnissen von Verbraucherinnen und Verbrauchern sowie ökologischen Maßstäben orientieren.

Dabei dankt Rektor Prof. Dr. Dabbert in besonderem Maße seinem Prorektor für Forschung, Prof. Dr. Jochen Weiss. Als Prorektor und Lebensmittelwissenschaftler habe Prof. Dr. Weiss den neuen Verbund in jahrelanger Vorarbeit mit auf den Weg gebracht. In der neuen Innovationsgemeinschaft übernimmt er die Position des Interim Directors of Education. „Professor Weiss hat hier wirklich herausragendes geleistet“, so der Rektor.

Innovationsschub für den größten produzierenden Sektor der EU
„Der Lebensmittelsektor ist mit 44 Millionen Beschäftigten der größte produzierende Sektor der EU“, erklärt Prorektor Prof. Dr. Jochen Weiss. „Was Innovationen betrifft, gibt es im Vergleich zu anderen Branchen jedoch erheblichen Nachholbedarf. Die Pharmaindustrie investiert zum Beispiel 10% ihres Gewinns in Forschung und Innovation. Im Lebensmittelbereich liegt diese Reinvestition gerade einmal bei 0,3%.“

Dabei stünden Europas Unternehmen in hartem Wettkampf mit der Konkurrenz aus Übersee. Eine Situation, die sich in den kommenden Jahren voraussichtlich noch dramatisch zuspitzen wird.

„Investoren haben die Agro-Food-Branche in den USA entdeckt und stellen heute etwa zehnmal so viel Venture Capital bereit wie noch vor 5 Jahren. Es ist daher mit einer Welle von amerikanischen Startups zu rechnen, die etablierte Unternehmen in Deutschland und Europa massiv unter Druck setzen werden“, so Weiss.

Grund für die Aufbruchsstimmung in Übersee seien globale Herausforderungen wie der Klimawandel, wachsende Weltbevölkerung und die zunehmende Erkenntnis vom Wert einer gesunden Ernährung für immer mehr Menschen. „Innovationen, die an diesen Problemen ansetzen, können sich auch als ökonomisch sehr attraktiv erweisen.“

Ziel: Transformation des Sektors – mit ökonomischen, ökologischen und verbraucherorientierten Ziele

Vor diesem Hintergrund tritt „EIT-Food“ mit hohen Zielen an. Binnen 10 Jahren will der Verbund nicht weniger als eine Revolution erreichen, die sich vor allem auch ökologische und verbraucherorientierte Ziele steckt. Dazu gehören:

•           Neue Technologien im Agrarbereich, die über Ertrags- und Effizienzsteigerung hinaus vor allem Verbraucher-Information im Blick haben (z.B. Digital Food Supply Network)
•           Neue, international wettbewerbsfähige Businessmodelle für den Lebensmittelsektor. Ziel: 350 Startups unterstützen
•           Neue Lebensmittel-Produkte, die z.B. eine personalisierte, gesunde Ernährung unterstützen und dabei auch einer alternden Bevölkerung Rechnung tragen
•           Wandel vom bisherigen Modell „Produzieren-Konsumieren-Entsorgen“ hin zu einem bioökomischen Kreislauf mit einer Zero-Waste-Agenda. Ziel: Halbierung von Lebensmittelabfällen in der EU
•           Weniger Treibhausgas-Emissionen bei der Produktion und Verarbeitung von Lebensmitteln. Ziel: Aktuelle Emissionen um 40% senken
•           Gesunde Ernährung unterstützen: Ernährungsempfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hinsichtlich Konsum von Salz, Zucker und gesättigten Fettsäuren umsetzen, so dass diese von der Mehrheit der EU-Bevölkerung eingehalten werden können
•           Verlorengegangenes Vertrauen in die Lebensmittelbranche durch Transparenz und Dialogbereitschaft zurückzugewinnen


9 Mitglieder in Deutschland mit einem Schwerpunkt in Baden-Württemberg
Zusammen mit der Technischen Universität München gehört die Universität Hohenheim zu den einzigen zwei Universitäten unter den deutschen Mitgliedern des „EIT Food“. Als Forschungseinrichtung aus Deutschland ebenfalls dabei sind das Deutsche Institut für Lebensmitteltechnik und die Fraunhofer Gesellschaft zur Förderung der Angewandten Forschung e.V.

Zu den Industrieunternehmen aus der Bundesrepublik gehören Robert Bosch, Siemens, John Deere, Döhler und die Herbstreith & Fox KG Pektin-Fabriken der Industrie.

Vier der neun Mitglieder aus Deutschland haben ihren deutschen Stammsitz in Baden-Württemberg.

Der europäische Sitz der Knowledge and Innovation Community „EIT Food“ ist in Belgien.


Universität Hohenheim und Agrarforschung/Food Science
Gleich drei der wichtigsten Forschungsrankings sehen die Universität Hohenheim als Deutschlands Nr. 1 in Agrarforschung und Lebensmittelwissenschaft und unter den TopTen in Europa: Das einflussreiche QS World University Ranking, das renommierte National Taiwan University Ranking und das Best Global University Ranking.


EIT und KICs
Das Europäische Institut für Innovation und Technologie (EIT) ist eine Gründung der EU mit dem Ziel, die Zusammenarbeit der leistungsfähigsten Institute, Universitäten und industriellen Forschungszentren zu stärken. Um innovative Spitzenforschung und die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu fördern finanziert das EIT seit 2009 mehrere sogenannte „Knowledge and Innovation Communities (KIC)“ zu verschiedenen Themen, für die sich Netzwerke von Forschungseinrichtungen und Industrieunternehmen in einem europäischen Wettbewerb bewerben können. KICs haben eine Laufzeit von sieben bis 15 Jahren.

Links:
EIT Food Website: https://eit.europa.eu/eit-community/eit-food

EIT Food Press-Release: https://eit.europa.eu/newsroom/eit-selects-winning-innovation-partnership-food

EIT FOOD Fact Sheet: https://eit.europa.eu/interact/bookshelf/eit-food-factsheet


Kontakt für Medien:
Prof. Dr. Jochen Weiss, Prorektor für Forschung
T 0711 459 24415, E j.weiss@uni-hohenheim.de

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Mittwoch, 9. November 2016

Informationskultur reformiert Unternehmensalltag

Bernhard Patter, geschäftsführender Gesellschafter der diavendo GmbH.
Bernhard Patter / diavendo GmbH.
Die jüngere Generation stellt altbewährte Konzepte auf den Kopf: Vor allem Meetings spielen eine große Rolle zum gegenseitigen Austausch. Hier sollten alle Beteiligten stets gut vorbereitet sein.

Das morgendliche Jour fixe oder auch das Abteilungsleiter-Meeting werden von vielen Führungskräften innerhalb der Hotellerie als lästige Pflicht wahrgenommen. Teilweise kommen Dinge zum Gespräch, die nicht für den Rest der Teilnehmer relevant sind oder man machte sich im Vorhinein keine Gedanken. Dazu gehören beispielsweise Fragen seitens des Küchenchefs zur Neuanschaffung von Kochgeräten.
Kommunikationsexperte Bernhard Patter sieht in der vorherrschenden Meeting-Kultur Fluch und Segen zugleich: „Ich muss ehrlich gestehen, dass ich Meetings geradezu hasse, wenn sie schlecht oder gar nicht vorbereitet sind. Ansonsten sind Meetings einfach klasse. Ein funktionierender Informationsfluss sorgt für einen reibungslosen Betriebsablauf“.
Darüber hinaus bevorzugt die Generation Z und Y unter anderem zur vorherigen Abstimmung andere Kommunikationskanäle. Dazu gehören zum Beispiel das Intranet und soziale Netzwerke. Generell verlangen jüngere Arbeitnehmer im Rahmen eines Informationsaustausches außerdem nach Begründungen sowie Sinn und Zweck von Vorschlägen. Sonst gilt es als Dienst nach Vorschrift.
„Früher erklärte der Küchenchef entsprechende Vorgänge mit Pfanne und Messer in der Hand. Das war auch für die Generation X so in Ordnung. Fragen durftest du nicht, weil es halt immer schon so gewesen ist. Damit waren wir damals zufrieden. Diese Form der Kommunikation funktioniert heute nicht mehr. Auch wenn in unserer Branche dieses Prinzip lange funktioniert hat“, so Bernhard Patter weiter.
Der Coach weiß aus seiner langjährigen Erfahrung, dass jüngere Mitarbeiter schnell das Interesse an ihrer Aufgabe innerhalb des Unternehmens verlieren. Damit auch die Identifikation mit dem Arbeitgeber selbst.
Effektive Kommunikationsplattformen tragen nachweislich zum Unternehmenserfolg bei. Sehr erfolgreiche Betriebe zeichnen sich insbesondere dadurch aus, dass sie es geschafft haben, zwischen den Generationen eine nachhaltige Kommunikation aufzubauen. Neben technischen Lösungen, die heute mit verschiedenen Medien genutzt werden können, spielen regelmäßige Meetings nach wie vor eine wichtige Rolle: Klare Vor- und Nachbereitung von Meetings, Aktionen protokollieren und nachfassen, Zeiteinhaltung von verschiedenen Punkten auf der Tagesordnung und das Definieren von Zeitzielen sind nur einige Punkte, die im Rahmen von Meetings stets beachtet werden sollten.
Ideal wäre die Anwendung der vorher gemeinsam abgestimmten Definition einer Meeting- und Informationskultur durch die Mitarbeiter, beziehungsweise Führungskräfte des Betriebs.

Über diavendo
Im Herbst 2008 wurde das Beratungsunternehmen diavendo für Personal- und Unternehmensentwicklung durch den Österreicher Bernhard Patter gegründet. Dabei spezialisiert sich diavendo auf die Beratung von Unternehmen aller servicenahen Wirtschaftszweige in den Bereichen Vertrieb, Führung und Kommunikation.
Der Schwerpunkt liegt auf Führungskräftetrainings in der Dienstleistungsbranche.

Die Leistungen von diavendo umfassen auch die Einführung von einheitlichen Qualitätsstandards durch den Aufbau von Qualitätsmanagementsystemen zur Optimierung von Arbeitsprozessen.
Der ehemalige Vorstand und Mitinhaber der IFH Aktiengesellschaft, Bernhard Patter, holte sich im Januar 2009 Marc Weitzmann sowie im Januar 2011 Steffen Schock als Partner ins Boot.
Die drei ausgewiesenen Experten für Vertrieb und Organisation bieten dem Kunden eine persönliche und individuelle Betreuung. Der Firmensitz ist in Hanau bei Frankfurt am Main und am Chiemsee. Das Team besteht neben den drei Inhabern aus den Trainingspartnern Evelyn Schneider sowie 15 weiteren Mitarbeitern. www.diavendo.com


Kontakt Unternehmen:                               Kontakt Presse:      

diavendo                                                        Agentur Karl & Karl
Bernhard Patter                                             Wolf-Thomas Karl
Hessen-Homburg-Platz 1                              Erich-Kästner-Str. 19a
D-63452 Hanau                                             60388 Frankfurt am Main

Telefon: +49 6181 4408440                          Telefon: +49 178 -18 44 946
E-Mail: info@diavendo.com                         E-Mail: tk@karl-karl.com
Website: http://www.diavendo.com              Website: www.karl-karl.com

Mittwoch, 26. Oktober 2016

Die wichtigsten Regeln für den Umgang mit Schmutzfangmatten


Sie schlucken jede Menge Schmutz, bringen Sicherheit bei Rutschgefahr und schützen empfindliche Bodenbeläge. Hochwertige Schmutzfangmatten erweisen sich in vielen Situationen als unverzichtbar – wenn man einige Regeln beachtet.
 Design und Logo werden im Vorfeld gemeinsam mit dem Kunden festgelegt. Ein Spezialdrucker überträgt die Farben auf den Flor aus High-Twist-Nylon, fixiert und versiegelt diese.
Individuelles Design bei den DBL Schmutzfangmatten
Eingangsbereich ohne professionelle Schmutzfangmatte? Kaum noch möglich. In den meisten öffentlichen Gebäuden – mittlerweile fast 80 Prozent – liegen heute Schmutzfangmatten aus, gehören einfach dazu. Ob klassisch dezent, meliert oder unifarbenen, als optischer Blickfang mit firmeneigenem Logo oder modernem Design – so verrichten sie in den verschiedensten Einsatzbereichen ihren Job. Wo sind sie besonders nützlich, was sollte man beachten?

„Die meisten Matten werden tatsächlich im Eingangsbereich ausgelegt – in fast jeder Branche“ so Christoph Henkes, Mattenexperte beim DBL-Vertragswerk ITEX Gaebler-Industrie-Textilpflege GmbH & Co. KG. „Denn klug platziert dienen sie dazu, Schmutz, Nässe und Schlamm draußen zu halten, die Reinigungskosten so erheblich zu senken.“ Ein wichtiger Faktor, der heute für den Einzelhandel ebenso gilt wie für Hotellerie, Handwerksbetriebe oder öffentliche Gebäude.

Christoph Henkes, Mattenexperte beim DBL-Vertragswerk, der ITEX Gaebler-Industrie-Textilpflege GmbH & Co. KG, berät erfahren zum Thema Mietfußmatten. „Sie wirken optisch und sind funktional in unterschiedlichsten Bereichen.“
Christoph Henkes Mattenexperte bei DBL
Funktion plus Sicherheit
Wird die Matte im Eingangsbereich ausgelegt, dürfen sie dort weder das Öffnen noch das Schließen der Türen behindern, müssen daher flach und gerade aufliegen. Neben dem Reinigungseffekt ist der Sicherheitsaspekt aus Sicht des Experten wichtig. „Gerade bei Nässe und Matsch machen rutschfeste Matten, beispielsweise mit Gummirücken aus Nitril, in viel frequentierten Räumen Sinn. Sie helfen Unfälle zu vermeiden“, so Henkes. Denn durch die besondere Beschichtung der Matte auf der Unterseite wird das Verrutschen der Matte verhindert, selbst wenn der Bodenbelag zum Beispiel bei Fliesen, Marmor und Steinböden sehr glatt ist. „Aber auch in Produktionsräumen, Büros oder in Sozialräumen sollten aus genannten Gründen Matten ausliegen.“

In öffentlichen Gebäuden wie z. B. Schulen ist aus Sicherheitsgründen zudem unbedingt auf Matten mit entsprechender Brandschutznorm zu achten. So sollten Schmutzfangmatten heute nach EN 13501-1 zertifiziert sein – ein wesentliches Kriterium, gerade wenn es um die Sicherheit in öffentlichen Gebäuden und am Arbeitsplatz geht. Dazu Henkes: „Auch das können waschbare Schmutzfangmatten mit Gummirücken leisten – ein erheblicher Vorteil übrigens gegenüber Kaufmatten, deren PVC-Beschichtung diese Kriterien oft nicht erfüllen.“

Doch welche Matte ist die passende – und wie groß muss sie sein, um effektiv ihren Job zu machen? „Gute Abwehr gegen Nässe und Schmutz bieten stabile Garnkonstruktionen aus High-Twist-Nylon. Sie garantieren eine hohe Schmutz- und Feuchtigkeitsaufnahme und sorgen damit für die gewünschte Sauberkeit“, erklärt Christoph Henkes. „Überall, wo extreme Beanspruchung herrscht, z. B. im Werkstattbereich, eignen sich Hochleistungsmatten mit einer Florhöhe von 10 mm. Denn diese haben einen starken Bürsteneffekt. Praktisch, da im handwerklichen Gewerk ja oft Schuhe mit Rillenprofil getragen werden, in denen sich Schmutz, Fett, Öl oder Späne fangen.“

Größe und Pflege

Und die richtige Größe? Hier vergisst der DBL-Mann Henkes nie seinen Zollstock, wenn er vor Ort seine Kunden berät. „Die Matte sollte immer den langen Weg gelegt werden, möglichst nicht quer. Faustregel: Mindestens drei Schritte muss der Besucher auf der Matte machen, damit durch größtmöglichen Abrieb der Schmutz gelöst und Feuchtigkeit aufgenommen wird. Gängige Größen sind hier zum Beispiel 85 x 150 cm, aber auch 150 x 250 cm oder 115 x 200 cm.“

Je größer, desto effektiver? Grundsätzlich Ja. Aber bei Anfrage nach sehr langen Matten, wie sie der textile Mietdienstleister oft erhält, rät Christoph Henkes eher ab. Die Begründung ist einfach: „Die durch Nässe und Schmutz oft schweren Matten müssen händelbar bleiben. Das gilt für unsere DBL-Servicefahrer, die die Matten abholen. Aber auch für das Reinigungspersonal vor Ort, das die Böden wischt und die Matten ja mal zur Seite rollen muss.“ Ggf. können in diesen Fällen die Flächen aus mehreren Matten gestaltet werden.

Und wohin mit dem Schmutz? Hier bieten textile Dienstleister umfassende Angebote. Von der Beratung und Beschaffung über die individuelle Gestaltung der Matte bis hin zur regelmäßigen Pflege. So müssen sich die Betriebe um nichts kümmern. „Wir tauschen die schmutzige Matte regelmäßig gegen eine frisch gepflegte aus“, so der DBL-Experte. „Bei uns werden die Fasern gesäubert und getrocknet, der Gummirücken dabei geschont. Pünktlich zum vereinbarten Termin erscheint unser Servicefahrer beim Kunden und tauscht erneut die Matten – so funktioniert unser Servicekreislauf. Egal für welche Branche und in welchen Bereich des Betriebes.“
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Mittwoch, 19. Oktober 2016

Kongressbericht: Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM)

Experten diskutierten neue Entwicklungen in der Mikrobiologie und Krankenhaushygiene
Ulm. Spannende Diskussionen zu aktuellen Themen der mikrobiologischen Forschung und Diagnostik gab es bei der 68. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM) e. V. in Ulm. Vom 11. bis 14. September 2016 diskutierten führende nationale und internationale Wissenschaftler und Ärzte beim deutschlandweit größten Fachkongress in diesem Bereich neueste Erkenntnisse aus allen Bereichen der Mikrobiologie, Krankenhaushygiene und Infektionskrankheiten. 

Entsprechend dem vielfältigen wissenschaftlichen Programm präsentierten renommierte Experten und Nachwuchswissenschaftler aktuelle Forschungsergebnisse zur Diagnose, Prophylaxe und Therapie bei Infektionserkrankungen. „Vor allem in zwei aktuellen Themenkomplexen, der Entwicklung und klinischen Testung neuer Impfstoffe und der Diagnostik und dem Management von multiresistenten Keimen in Krankenhäusern, konnten wir die wissenschaftliche Diskussion fördern“, so Kongresspräsident Prof. Dr. med. Steffen Stenger, Medizinische Mikrobiologie und Hygiene am Universitätsklinikum Ulm. 

Tagungsschwerpunkt Krankenhaushygiene

Beim Tagungsschwerpunkt Krankenhaushygiene / multiresistente gramnegative Bakterien ging es um neue Strategien zur Verhinderung der Ausbreitung dieser Erreger in Krankenhäusern. Es wurden kritische Diskussionen über das notwendige Ausmaß von teuren und belastenden Isolierungsmaßnahmen von besiedelten Patienten geführt.. „Bei der Diagnostik von mutliresistenten Keimen wurde insbesondere über Fortschritte in der molekularbiologischen Diagnostik berichtet“, betont Prof. Steffen Stenger. Erste Ergebnisse zu innovativen Therapien wurden anhand von  Erfahrungsberichten über den Einsatz neuer Antibiotika, Antikörper und antimikrobieller Peptide vorgestellt. „Die Entwicklung antimikrobieller Peptide für den therapeutischen Einsatz steht zwar erst am Anfang, stellt aber eine vielversprechende Alternative zu klassischen Antibiotika dar“, so der Tagungspräsident. „ Auch die Therapie mit Bakteriophagen stellt eine - wenn auch umstrittene - Alternative dar , die bei der DGHM Tagung kritisch diskutiert wurde.“

Auf neu entwickelte Konzepten zur Verhinderung der Ausbreitung der multiresistenten Erreger im Krankenhaus und kontroverse Diskussionen zum Stellenwert der Screening Untersuchungen bei Patienten vor der stationären Aufnahme in ein Krankenhaus verwies der Präsident der DGHM Prof. Dr. med. Mathias Herrmann, Münster: „Was in Holland seit Ende der 80er Jahre durchgeführt wird, ist auf die heutige Situation in deutschen Kliniken nicht übertragbar. Es gibt inzwischen jede Menge neue Erkenntnisse, nicht nur beim MRSA-Erreger, da werden doch einige Zahlen geradegerückt und insgesamt sind wir in der Krankenhaushygiene gut aufgestellt!“ 

Tagungsschwerpunkt Entwicklung neuer Impfstoffe

Zum thematischen Schwerpunkt der Entwicklung neuer Impfstoffen wurden Fortschritte beim 
empfohlenen Impfschutz für die verschiedenen Stämme von Meningokokken, Erreger von lebensbedrohlichen Hirnhautentzündungen, vorgestellt. Eine Ansteckung mit Meningokokken bei Kindern und Jugendlichen ist eine zwar seltene, aber gefürchtete Infektion, bei der jeder zehnte Erkrankte stirbt. Die gefährliche bakterielle Infektion  kann so rasant ablaufen, dass sie innerhalb weniger Stunden zum Tod führt. „Die Entwicklung von Impfstoffen, die gegen den häufigen Meningokokken Serotyp B gerichtet sind, stellte über lange Zeit eine kaum lösbare Herausforderung dar. Mittlerweile ist es dank innovativer Grundlagenforschung geglückt, einen wirksamen Impfstoff zu entwickeln, deren in verschiedenen Ländern bereits erfolgreich eingesetzt wird“, so Prof. Dr. Ulrich Vogel, vom Nationalen Referenzzentrum für Meningokokken in Würzburg. 

Über die neuesten Forschungsergebnisse zu dem neuen Impfstoff gegen die bakterielle Hirnhautentzündung berichtete die Italienerin Dr. Mariagrazia Pizza als eine der Pionierin, die maßgeblich an der neuen Impfstoffentwicklung beteiligt war. In England wird seit Ende 2015 einer der Impfstoffe flächendeckend zur Grundimmunisierung von Kleinkindern eingesetzt,  während in Deutschland die Empfehlung des Serogruppe B Impfstoffes derzeit auf Patienten mit einem besonderen gesundheitlichen Risiko einer Meningokokkeninfektion beschränkt ist. 

Aktuelles Thema Infektionen bei Flüchtlingen

Zum aktuellen Thema Infektionen bei Flüchtlingen stellte Dr. med. Martin Priwitzer, Gesundheitsamt Stuttgart, die neuesten Zahlen vor, da die Zuwanderung von Flüchtlingen in der klinischen und diagnostischen Infektiologie im letzten Jahr eine besondere Rolle gespielt hat. Demnach konnten Konzepte einer intensiven Zusammenarbeit zwischen öffentlichem Gesundheitswesen, klinischen Infektiologen sowie Mikrobiologen und Krankenhaushygienikern entwickelt werden,  um die Zunahme von ansteckenden Erkrankungen wie bakterielle Ruhr, Windpocken und insbesondere der Tuberkulose rasch zu diagnostizieren und durch prophylaktische Maßnahmen eine Ausbreitung der Infektionen zu verhindern.

In den Hauptsymposien stellten international hochrangige Wissenschaftler weitere neue Erkenntnisse zu den Themen Epidemiologie von Durchfallerkrankungen, neu-auftretende Infektionserkrankungen sowie aus der mikrobiologischen Grundlagenforschung vor. Ein weiterer Fokus lag auf dem Bereich Lebensmittelmikrobiologie mit neuen Erkenntnissen zu pathogenen Mikroorganismen in Lebensmitteln, Standardwerten für die mikrobielle Kontamination in Lebensmitteln sowie Aspekten der allgemeinen Nahrungsmittelmikrobiologie und Lebensmittelhygiene. 

Workshops zu den Themen Diagnostische Mikrobiologie, Klinische Mikrobiologie und Infektions-krankheiten, Mikrobielle Pathogenität, Magen-Darm-Infektionen, Sepsis, Infektionsepidemiologie und Bevölkerungsgenetik, Infektionsprävention und Antibiotikaresistenz, Infektionsimmunologie, Mikrobiologische Verfahren und Qualitätsstandards, Nationale Referenzzentren und Beratungslabore sowie Zoonosen waren sehr gut besucht. Neben dem wissenschaftlichen Austausch fanden Diskussionsrunden, Posterpräsentationen und weitere praxisorientierte Workshops mit Fortbildungen aus dem diagnostischen Bereich für niedergelassene Ärzte und Technische Assistenten statt. Die viertägige Tagung wurde von einer fachbezogenen Industrieausstellung begleitet, in der innovative Entwicklung vor allem aus dem Bereich der mikrobiologischen Diagnostik vorgestellt wurden. Insgesamt war die von über 650 Teinehmern besuchte Jahrestagung der DGHM in der Ulmer Donauhalle eine hervorragende Plattfo rm für den wissenschaftlichen Austausch zwischen Experten, Nachwuchswissenschaftlern und der Industrie. Die Resonanz der Teilnehmer über die bestens organisierte tagung war entsprechend positiv. Weitere Informationen unter www.dghm-kongress.de

DGHM Preisverleihungen 2016

Der Hauptpreis der DGHM-Stiftung (5000 EUR) wurde in diesem Jahr an Prof. Dr. rer. nat. Stefan Niemann (Forschungszentrum Borstel) verliehen, einer der weltweit führenden Forscher im Bereich Populationsgenetik von Tuberkulosebakterien.
Mit dem DGHM-Förderpreis 2016 (2500 EUR) wurde Dr. rer. nat. Sascha Brunke ausgezeichnet, der aktuell mikrobielle Nährstoffquellen während der Infektion und die evolutionäre Adaptation von Pathogenen an ihre Wirte erforscht.
Der bioMérieuxDiagnostikpreis (2500 EUR) ging in diesem Jahr an Dr. med. Evgeny A. Idelevich, der die Entwicklung und weitere Optimierung von Methoden zur schnellen Empfindlichkeitstestung und Identifikation der Mikroorganismen untersucht. 
Der Becton Dickinson Forschungspreis (2500 EUR) wurde Dr. med. Axel Hamprecht verliehen. 
dessen Forschungsschwerpunkte auf der Resistenz bei Enterobacteriaceae durch ß-Laktamasen sowie auf den Resistenzmechanismen bei humanpathogenen Pilzen liegen. 

Die DGHM-Promotionspreise gingen an:
1. Dr. med. vet. Katharina Anna Christina Schaufler, die eine Dissertation zum Thema “Functional plasmidanalysis of extended-spectrum beta-lactamase-producing Escherichia coli of sequence types ST131 and ST648”, begann und parallel dazu eine zweite Promotion zum Dr. med. vet. mit dem Thema  “Molecular analysis of ESBL-producing Escherichia coli from different habitats discloses insights into phylogeny, clonal relationships and transmission scenarios”  mit der Bestnote „summa cum laude“  abschloss. 
2. Dr. rer. nat. Jan Naujoks, der im Rahmen seiner Dissertation mit dem Titel: „Typ I und II IFNs modify the proteome of bacterial vacuoles to restrict infections via IRG1“ systematisch die Immunantwort gegen Legionella pneumophila im Pneumonie-Tiermodell untersuchte. 
3. Dr. rer. nat. Sandy Ramona Pernitzsch, die in ihrer Dissertation mit dem Titel: „Funktionelle Charakterisierung von kleinen regulatorischen RNAs (sRNAs) in Helicobacter pylori“ zeigen konnte, dass die RepG sRNA bis zu 40 weitere Gene verschiedenster Funktionen durch die Bindung an G-reiche Sequenzen reguliert.

Die DZIF-Promotionspreise der DGHM wurden überreicht an:
1. Dr. rer. nat. Wiekbe Behrens, die in ihrer Dissertation mit dem Titel: „Characterisation of mechanisms mediating energy taxis of Helicobacter pylori in vitro and in vivo“ zeigen konnte, dass ein beteiligter Energiesensor (TlpD in Helicobacter pylori) mit zahlreichen anderen Proteinen, unter anderem solchen, die am Metabolismus beteiligt sind, interagiert. Ebenfalls konnte sie dynamische intrazelluläre Prozesse in Verbindung mit diesen Interaktionen, intrazellulärer Energiegewinnung und Energiewahrnehmung sichtbar machen und einen möglichen Mechanismus aus Eisen-Schwefelproteine des zentralen Metabolismus hin einengen.
2. Dr. rer. nat Alexander Westermann, der sich in seiner Promotion der Etablierung eines neuen Ansatzes zur parallelen Erfassung von Transkriptomveränderungen in einem bakteriellen Erreger und einer von diesem infizierten eukaryotischen Wirtszelle mittels dualer Sequenzierung widmet. 
Die diesjährige DGHM-Lecture hielt Prof. Dr. Dr. Klaus Aktories (Freiburg) mit dem Titel „Bacterial toxins - How to outsmart the host“. Er wurde für seine international hochangesehen Forschungen geehrt, die zum wesentlichen Verständnis der Wirkweise von bakteriellen Proteintoxine beträgt.

Ausblick “Microbiology and Infection 2017”

Die 69. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM) wird  gemeinsam mit der Jahrestagung der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM) als “Microbiology and Infection 2017” vom 5. bis 8. März in Würzburg stattfinden. Kongresspräsidenten sind Prof. Dr. Matthias Frosch, Prof. Dr. Thomas Rudel und Prof. Dr. Jörg Vogel. Weiteres unter www.microbiology-infection.de
Pressekontakt:
Kerstin Aldenhoff

Montag, 19. September 2016

Unzulässig: Forscher finden gesundheitlich bedenklichen Textilfarbstoff in Lebensmitteln

Veröffentlichung im internationalen Journal „Food Control“: Neuer Analyse-Ansatz der Universität Hohenheim weist Azo-Farbstoff „Reactive Red 195“ in Produkten für Lebensmitteleinsatz nach.
Angeblich sollten nur natürliche Farbstoffe enthalten sein: Mit speziellen Analyseverfahren wollen Lebensmittelwissenschaftler der Universität Hohenheim den für Lebensmittel nicht zugelassenen Textilfarbstoff „Reactive Red 195“ in einem angeblichen „Hibiskus- und Rote-Bete-Extrakt“ nachgewiesen haben. „In der Lebensmittelproduktion werden solche Produkte eingesetzt, um wiederum andere Lebensmittel appetitlich rot zu färben“, erläutert Lebensmittelwissenschaftler Prof. Dr. Reinhold Carle die Brisanz. Das untersuchte Produkt sei vermutlich 2015 auf den Markt gekommen und sollte laut Spezifikation lediglich natürliche Farbstoffe beinhalten.
Weil es aber so viel intensiver färbe als bekannte natürliche Lebensmittelfarbstoffe, hätten Lebensmittelhersteller Verdacht geschöpft und sich an die Lebensmittelexperten der Universität Hohenheim gewandt. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Wissenschaftler in der kommenden Dezember-Ausgabe von „Food Control“. Online sind sie bereits veröffentlicht unter http://dx.doi.org/10.1016/j.foodcont.2016.06.012

Unbehandelt hätten beispielsweise Wurst und zubereitete Fleischwaren einen grau Farbton, erläutert Prof. Dr. Reinhold Carle, Lebensmittelwissenschaftler der Universität Hohenheim: „Damit sie appetitlicher aussehen, färben Lebensmittelhersteller ihre Produkte z.T. mit natürlichen Farbstoffen. Sind diese Farbstoffe in sogenannten färbenden Lebensmitteln enthalten, müssen diese nicht als Zusatzstoffe mit E-Nummern auf der Verpackung deklariert werden.“
Allerdings leiden die meisten natürlichen Lebensmittelfarbstoffe an geringer Licht- und Hitzestabilität. Bei unterschiedlichen pH-Werten veränderten sie teilweise auch ihren Farbton. Lebensmittelhersteller wünschten sich daher einen natürlichen Farbstoff, der stabiler sei.
Im Jahr 2015 sei ein neues Produkt auf den Markt gekommen, das dieses Wundermittel zu sein schien. Es habe intensiv und dauerhaft rot gefärbt. Laut Spezifikation habe es allein aus Rote-Bete- und Hibiskus-Extrakten bestanden. „Damit durfte es als natürlich färbendes Lebensmittel bezeichnet werden.“
Die versprochene Stabilität der Färbung habe bei mehreren Lebensmittelherstellern jedoch Zweifel aufkommen lassen, ob das neue Produkt wirklich allein aus natürlichen Zutaten bestünde. Sie hätten sich deswegen an Prof. Dr. Carle und sein Team vom Lehrstuhl Technologie und Analytik pflanzlicher Lebensmittel an der Universität Hohenheim gewandt.

Zugespielte Materialproben enthalten höchstwahrscheinlich „Reactive Red 195“
Für die folgenden Untersuchungen hätten Prof. Dr. Carle und sein Team drei Proben des Färbemittels benutzt, die ihnen von drei Lebensmittelherstellern aus der Bundesrepublik, Frankreich und der Türkei überlassen worden seien. Den Lebensmittelherstellern sei das Material von Händlern angeboten worden.
Nach mehreren Anläufen sei es den Wissenschaftler gelungen, den Verdacht der Lebensmittelhersteller zu erhärten: Laut ihrer Einschätzung rührt die rote Farbe von dem Textilfarbstoff „Reactive Red 195“, der für Lebensmittel nicht zugelassen sei.

Farbstoff-Vergleich erhärtet Verdacht
Bei ihrem Urteil stützen sich die Wissenschaftler auf ein neues, aufwändiges Analyse-Verfahren (Flüssigkeitschromatographie mit gekoppelter Massenspektrometrie), entwickelt von Dipl.-LM-Ing. Judith Müller-Maatsch, die am Lehrstuhl von Prof. Dr. Carle promoviert. Wie in ihrer Publikation beschrieben, hätten sie damit in dem Färbemittel jedoch lediglich Spuren charakteristischer Rote-Bete-Pigmente (Betalaine) entdeckt. Die deklarierten Hibiskus-Pigmente (Anthocyane) hätten gänzlich gefehlt. Stattdessen habe das Färbemittel ein zunächst unbekanntes Farbpigment enthalten, das die Farbbrillanz und Stabilität ausmache.
Diese unbekannte Komponente zeige übereinstimmende Eigenschaften mit einem zum Färben von Textilien verwendeten Azofarbstoff. „Die Analysedaten ließen uns vermuten, dass „Reactive Red 195“ beigemischt sein könnte. Deshalb analysierten wir den Original-Textilfarbstoff in einer vergleichenden Untersuchung“, so Prof. Dr. Carle.
Das Ergebnis sei eindeutig, so der Lebensmittelexperte: „Wir können zweifelsfrei davon ausgehen, dass alle drei Muster den identischen Textilfarbstoff enthielten.“

Farbstoff ist nach der Weiterverarbeitung in Lebensmittel kaum noch nachweisbar
Was die Überwachung erschwert: Sobald das Färbemittel in Lebensmitteln verarbeitet wird, sei es kaum noch nachzuweisen. „Der Grund für die Analyse-Schwierigkeiten liegt in der Natur des Textilfarbstoffes“, erklärt Prof. Dr. Carle: „Reaktiv-Farbstoffe wie „Reactive Red 195“ reagieren mit organischen Stoffen und verbinden sich weitgehend untrennbar mit ihnen.“
Bei Textilien sei das so gewünscht: Textilfarbstoffe sollen sich z.B. fest an die Baumwollfasern eines T-Shirts binden, damit sie beim Waschen nicht ausbleichen. Da Lebensmittel auch aus organischem Material bestünden, trete hier der gleiche Effekt ein. Daher seien diese Farbstoffe nach dem Einbringen in Lebensmitteln kaum noch nachweisbar.

Azofarbstoffe: Seit 2007 Warnhinweis für Lebensmittel – Textilfarben waren nie erlaubt
„Was “Reactive Red 195“ im Körper genau bewirkt, wissen wir nicht. Bekannt ist, dass die Chemikalie zu den Azofarbstoffen gehört. Einige stehen im Verdacht, bei Kindern zu Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsstörungen zu führen“, sagt Prof. Dr. Carle. Aufgrund der sogenannten Southampton-Studie von 2007 müssten Lebensmittel, die solche Farbstoffe enthalten, seit 2010 in der EU den Warnhinweis tragen: „Kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen“.
Als Textilfarbstoff sei „Reactive Red 195“ jedoch zu keinem Zeitpunkt in Lebensmitteln erlaubt gewesen. „Ein Versehen erscheint uns unwahrscheinlich“, erklärt Prof. Dr. Carle. „Die Vorgehensweise legt nahe, dass hier ein Experte am Werk war, der das Lebensmittelrecht kennt und weiß, wie man durch täuschende Produktdeklaration die Gesetze umgehen kann.“

Titel der Originalstudie
Müller-Maatsch, J., Schweiggert, R.M., Carle, R. (2016): Adulteration of anthocyanin- and betalain-based coloring foodstuffs with the textile dye “Reactive Red 195” and its detection by spectrophotometric, chromatic and HPLC-PDA-MS/MS analyses; in: “Food Control” 70 (2016), 333–338; doi: 10.1016/j.foodcont.2016.06.012.

PRESSEMITTEILUNG DER UNIVERSITÄT HOHENHEIM
Kontakt für Medien:
Prof. Dr. Dr. h.c. Reinhold Carle, Universität Hohenheim, Lehrstuhl Technologie und Analytik pflanzlicher Lebensmittel
T 0711/459-22314, E carle@uni-hohenheim.de

Dipl.-LM-Ing. Judith Müller-Maatsch, Universität Hohenheim, Lehrstuhl Technologie und Analytik pflanzlicher Lebensmittel
T 0711/459-24109, E J.Mueller-Maatsch@uni-hohenheim.de
  
Text: Töpfer

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